Wenn dem Kopf alles zu viel wird
Bei mir fühlt es sich so an: meine Gedanken springen von einem Punkt der To-do-Liste zum nächsten. Sie schweifen hierhin und dahin, zu „ich müsste noch“ zu „eigentlich sollte ich noch“. Aber eigentlich bin ich todmüde. Ich mache Pause, scrolle durch die Nachrichten und bleibe an einem interessanten Fakt hängen, den ich gerne noch näher untersuchen, für meine Arbeit nutzbar machen möchte. Und ich bin immer noch todmüde… Ein kleines Spiel dazwischen oder ein Video.
Dann blinkt das Handy. Wer möchte was von mir? Ich antworte oder lösche nach kurzem Überfliegen des Betreffs die Nachricht. Noch drei weitere Tabs im Gehirn, die sich geöffnet haben. Luki, meine Hündin, schüttelt sich, sitzt neben mir und hypnotisiert mich mit ihren Blicken. Nein, das mach ich noch fertig, dann gehen wir raus. Nur das noch. Eine Stunde später sitze ich immer noch. Hinter meinen Augen flimmert es, ich will einfach nur hier sitzen…
Die Musik geht mir langsam auf den Geist, das Licht ist zu grell und der Hintern tut mir weh.
Jeder Reiz für sich keine große Sache. Aber irgendwie komme ich mir vor, als wäre ich in einer Höhle mit zu warmen Kissen gefangen und finde den Faden zum Ausgang nicht.
Der Kopf rattert weiter. Was ist wichtig? Was kann warten? Habe ich den Gedanken vergessen, nachher, wenn ich ihm jetzt nicht nachgehe? Ganz nebenbei passiert das, ohne dass ich es wirklich will.
Das Sortieren fällt immer schwerer. Die einfachsten Dinge nerven irgendwann nur noch. Das Rauschen des Ventilators, die Müllautos, die draußen geräuschvoll ihrer Arbeit nachgehen, die Fliege an der Wand. Ich bin noch immer müde aber innerlich unruhig.
Ich könnte mich einfach zusammenreißen. Effektiver planen und organisieren. Noch ein „müsste“…
Aber mein Nervensystem braucht nicht noch mehr Kontrolle. Es braucht Ruhe.
Pause ist nicht gleich Ruhe
Pause fühlt sich leer an. Also doch nochmal ein Blick aufs Handy. Ein paar Minuten Scrollen nur. Das fühlt sich an wie Ausruhen, aber der Kopf bekommt weiter neues Material. Und noch mehr schlechtes Gewissen. Denn das Angebot macht nicht wirklich still. Es wird nur anders laut.
Studien deuten darauf hin, dass schon eine kurze Pause von digitalen Inhalten die Konzentration verbessern kann. Dabei ist es nicht die Pause an sich, die entlastend wirkt, sondern der Umstand, dass das Gehirn keine neuen Reize in Dauerschleife verarbeiten muss.
Noch tiefer kann die Entspannung werden, wenn man sich ganz dem Moment hingibt. Eine Auszeit für das Gehirn. Zum Beispiel bei einer Massage.
Wenn dir schon der Raum etwas abnimmt

Stell dir einen kleinen Raum vor. Gerade so groß, dass eine Massagebank und ein Schränkchen hineinpassen. Die Liege ist mit einem orangen Tuch bedeckt, und wenn du schon mal da warst, weißt du, dass sich darunter eine weiche Matratze verbirgt und dass sie bei entsprechendem Wetter von unten beheizt ist. Eine kuschelige Decke wartet nur darauf, dich einzuhüllen.
Sanftes Licht erfüllt den Raum, der Duft von aromatischen Essenzen liegt in der Luft. Der Blick nach draußen wird von einem Vorhang begrenzt. Du kannst ganz hier sein. Ohne Ablenkung.
Der Raum scheint zu sagen: Du kannst jetzt draußen lassen, was du mitgebracht hast an Sorgen, Gedanken und Mühe.
Hier stehst nur du im Mittelpunkt. Du kannst, musst aber nicht erklären, warum du erschöpft bist. Du musst auch nicht sofort entspannen. Denn manchmal spürst du erst im Liegen, was an deiner Seele zerrt; dann dauert es ein Weilchen, sich davon zu lösen.
Und manchmal rücken die Gedanken nur ein Stück in den Hintergrund. Aber vielleicht entsteht dabei die Klarheit, was erst einmal keine Beachtung braucht. Was Priorität hat. Du.
Die Spirale dreht sich vielleicht um: nicht mehr nach außen, sondern nach innen.

Berührung, die nichts zusätzlich will
Die Massage ist nicht nur das Quälen verspannter Muskeln. Sie kann auch eine Einladung sein, Körper und Seele wieder mehr zu spüren, statt nur den Geist.
Vielleicht wird der Atem nach einer Weile ruhiger. Vielleicht kommt er mehr im Bauch an, wo er vorher kurz hinter dem Kehlkopf stecken geblieben war.
Sicher löst die Massage nicht alles auf, was im Alltag zu viel gewesen ist. Aber sie kann deinem Körper gestatten, für eine Weile nichts zu tun als zu fühlen.
Wie in einem kleinen Tagtraum.
Entspannung muss nichts leisten
Auch Erholung fühlt sich manchmal wie ein Muss an.
Ich sollte es mit Meditieren probieren. Ich sollte früher schlafen gehen. Sport soll ja auch helfen.
Und schon stehst du wieder unter Druck.
Bei einer Massage darf dieser Druck für eine Weile vergessen werden. Einfach daliegen und den Berührungen auf der Haut lauschen. Vielleicht kurz einschlafen. Oder doch noch ein bisschen die Gedanken wandern lassen.
Alles davon darf sein.
Der Körper entscheidet nicht auf Knopfdruck, wann er loslässt. Aber ich kann ihm einen Ort geben, an dem das leichter fällt.
Manchmal beginnt Entlastung ganz unspektakulär. Mit warmem Licht. Mit einem ruhigen Raum. Mit einer Stunde, in der du nichts musst.
Inspiration: Wie wir unser Gehirn vor Überlastung schützen können
