Blau beruhigt. Sagt man
Vor Kurzem las ich, Blau löse im Gehirn einen sofortigen Entspannungseffekt aus. Man erklärte das damit, dass das Meer auf uns eine so beruhigende Wirkung hat. Und aus Erzählungen meiner Schwester weiß ich, dass sie tatsächlich am Meer am besten ihren inneren Frieden findet.
Nun, das machte mich neugierig. Und es machte mich auch nachdenklich, denn ganz so einfach stellt sich Ruhe bei mir selten ein. Also habe ich mich ein bisschen auf Spurensuche begeben.
Ich liebe Farben. Wenn ich mir einen Ort vorstelle, an dem ich wirklich zur Ruhe komme, dann strahlt er für mich in lebendigen Farben und klarem Licht und klingt nach Vogelgesang, sanftem Wind in den Blättern, einem murmelnden Bach.
Blau

Auch ich kann mich im Blau des Sommerhimmels verlieren. Von „Entspannung sofort“ kann dabei aber kaum die Rede sein. Ich habe, wie Sie sicher auch, eben keinen Schalter im Kopf, der einfach umgelegt werden kann.
Und tatsächlich ist es mit der Wirkung von Farben nicht ganz so einfach. Häufig werden zum Beispiel Blau und Grün mit Ruhe und Entspannung in Verbindung gebracht. Wie wir eine Farbe empfinden, hängt aber auch davon ab, in welchem Zusammenhang wir sie sehen, welche Erfahrungen wir mit ihr haben und sogar davon, um welchen Farbton es überhaupt geht. Das eine Blau kann Ruhe und Entspannung bedeuten, ein anderes aber genauso Kühle oder Distanz.
Bei mir hat Blau neben seiner Ruhe etwas von Weite und manchmal auch von Sehnsucht. Kommt dann auch noch Wasser mit ins Spiel, kommt ein Gefühl von Tiefe dazu. Von etwas Unergründlichem.
Grün

Wenn ich mich so richtig gut entspannen will, gehe ich in den Wald. Grün. Grün ist eine Farbe, die meine Augen und meinen Geist zur Ruhe kommen lässt. Das ist so, wie sich in ein weiches Kissen sinken lassen. Die Augen schließen und das Gefühl haben, irgendwie ein bisschen auseinanderzufließen.
Wobei es vermutlich nicht allein das Grün ist. Untersuchungen zeigen zwar, dass der Blick auf natürliche, grüne Elemente, besonders auf Bäume, mit weniger Anspannung und einem stärkeren Gefühl von Erholung verbunden sein kann. Aber im Wald kommen vermutlich noch ganz andere Dinge dazu: glitzernde Lichtpunkte, die zwischen den Blättern hervorblinzeln, Geräusche, Gerüche, Bewegung und diese besondere Art, mit den Augen immer wieder einen Anker zu finden, ohne sich dabei anstrengen zu müssen.
Und trotzdem hat Grün für mich noch eine andere Seite. Wald macht mich ruhig, bringt mich aber auch dazu, loszugehen. Zu schauen, was hinter der nächsten Wegbiegung kommt. Dieses Grün hat für mich mehr etwas von der Lust, aktiv zu sein. Und davon, die Schuhe auszuziehen, um das Moos unter meinen Füßen zu spüren.
Orange

Im Herbst freue ich mich auf dieses goldige Orange. Ein Gefühl wie Ernte einfahren. Angenehm satt irgendwie, so kurz vor der großen Ruhe des Winters. Noch einmal Wärme tanken. Weich und einladend.
Warmes Orange schmiegt sich fast spürbar weich um den Körper, ohne aufdringlich zu wirken. In dieser Geborgenheit kommt die Gelassenheit zu mir.
Deshalb habe ich für meinen Behandlungsraum diesen Grundton gewählt. Gemeinsam mit anderen kleinen Details, dem Kerzenlicht, der grünen Glücksfeder am Fenster, dem kleinen Engel, entsteht eine Atmosphäre, in der auch Sie sich zeigen dürfen, wie Sie gerade sind.
Letztendlich ist es aber gar nicht so wichtig, welche Wirkung einer Farbe zugeschrieben wird. Vielleicht liegt ihre Bedeutung einfach darin, was sie in uns tatsächlich zum Klingen bringt. Und wenn Orange mir dabei hilft, bei mir selber anzukommen, dann ist es genau das, was ich mir auch für die Menschen wünsche, die sich meinen Händen anvertrauen.
